Kleiner Schlossplatz

Architekt

Kammerer + Belz, Max Bächer

Baujahr

1968 - 1970

Bauherr

Industriehof AG

Bauweise

Leichtbeton

Außenansicht.jpg

Kleiner Schlossplatz

Der Kleine Schlossplatz wurde 1970 von Kammerer + Belz und Partner zusammen mit Max Bächer errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das kriegsbeschädigte Kronprinzenpalais abgerissen, um Platz zu machen für den Planiedurchbruch inklusive Tunnelverbindung für den Automobilverkehr. Auf diesem Tunneln entstand so ein neuer Platz, der Kleine Schlossplatz. Seine Gestaltung wurde bestimmt durch die Sichtbarkeit des verwendeten Leichtbetons. Die komponierte Struktur der eingeschossigen Pavillons wurde durch die breiten Attikaabschlüsse und Wasserspeier rhythmisiert. Zum Schlossplatz hin wurde der Sockel über der Autostraße mit einer markanten Abrundung trogartig abgeschlossen. Richtung Theodor-Heuss-Straße ging die kleinteilige Struktur fließend in das damals noch in Teilen offene Erdgeschoss des BW-Bankgebäudes über.
 
Die „kalte Platte“ war jedoch schon immer der Kritik ausgesetzt. Die kleinen Läden konnten sich oft nicht lange halten und so erlebte der Kleine Schlossplatz immer wieder Zeiten des Leerstandes. Eine Wiederbelebung erfuhr er 1993 mit der Stuttgarter Leichtathletik Weltmeisterschaft. Um die mittlerweile obsolet gewordenen Tunnelöffnungen unter dem Schlossplatz zu überdecken, entwarfen Kammerer + Belz und Partner hier eine Freitreppe. Diese Freitreppe entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt der Stuttgarter Innenstadt und führte zu einem Aufblühen auch des Kleinen Schlossplatzes. In den leerstehenden Ladengeschäften siedelten sich mit Pauls Boutique der Treffpunkt für das Nachtleben in Stuttgart damals an. Unten in einer der Tunnelröhren wurde ein Freiraum für Skater geschaffen.
 
Trotz dieses Auflebens auf dem Kleinen Schlossplatz wurde Anfang der 2000er der Abriss und Neubau des Kunstmuseums beschlossen. Heute erinnert an Kammerers Wirken an diesem Ort nur noch die Freitreppe, welche sich auch im Neubau wiederfindet. In den Tunnelröhren ist jetzt Platz für Kunst statt Skater. Der Platz wird jetzt von der Rückseite des Glaskubus bespielt und ist betont minimal gestaltet. Wohl auch in Abgrenzung zum Experiment der Kleinteiligkeit des Kammerer Baues.

 

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