Kollegiengebäude I + II, Universität Stuttgart, 1956 - 1964

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Nach dem zweiten Weltkrieg hat die damalige Technische Hochschule im Stadtzentrum Stuttgarts mit steigenden Studierendenzahlen auf der einen Seite und fast vollkommen zerstörten Räumlichkeiten auf der anderen Seite zu kämpfen. Daher fiel die Entscheidung für einen Neubau, zügig gefolgt von dem durch die Tiefenhörsäle verbundenen Zwillingsbau KII. Die Hochschulprofessoren der Architekturabteilung Rolf Gutbier, Günter Wilhelm und Curt Siegel wurden beauftragt, ein Gebäude mit großem Raumangebot zu entwerfen, in dem sich ihre Haltung zur Architektur manifestiert.
 
Bei den beiden Kollegiengebäuden KI und KII handelt es sich um zwei unterirdisch miteinander verbundene Hochhäuser mit dem Bauvolumen von jeweils 60x25 Meter. Ihre Ausrichtung rechtwinklig zur Keplerstraße ist der Belüftung des Stuttgarter Kessels geschuldet. Sie überbrücken außerdem den topografischen Höhenversprung von ca. einem Geschoss, der zwischen dem Stadtgarten und der Keplerstraße besteht, intern und extern über eine breite, zwischen den Bauvolumen verortete Freitreppe. Die Gebäude sind auch intern in einer deutlichen Längsausrichtung organisiert, die nicht nur in den Fassaden, sondern auch in der Konzeption der Grundrisse wiederzufinden ist. Diese strukturelle Ausrichtung legt die funktionale Organisation offen, die sich schon im weithin freiläufig gestalteten Erdgeschoss in drei Zonierungen ablesen lässt. Im Regelgeschoss orientiert sich die aus studentischen Arbeitsräume, der Bibliothek und den Seminarräumen bestehende Zone Richtung Norden. Während sich gegenüber, Richtung Süden der Bereich der Institutsräume mit einer niedrigeren Geschosshöhe anordnet. Die Mittelspange wird durch den Erschließungskern mit Aufzugs- und Installationsschächten, Treppenhauskernen und Sanitärbereichen gebildet, die durch einen großen kommunikativen Flurbereich zu beiden Raumzonen hin gefasst ist. Um auch im Schnitt das vorhandene Raumvolumen des Körpers maximal auszuschöpfen, sind drei der Institutsgeschosse zu zwei raumhöheren Seminargeschossen in einer raffinierten Bündelung gruppiert. Durch die Stapelung von fünf Geschossgruppen oberhalb der Erdgeschosszone ergeben sich zehn Seminargeschosse auf der Nordfassade und 15 Institutsgeschosse auf der Südseite des Gebäudes.
 
Während die Nordseite der Seminarräume über größere Fensterflächen verfügt, entsteht auf der Südseite der Institute durch die langen, schmalen horizontalen Fensterbänder eine starke Geschossigkeit. Diese wird durch die Vertikalität des nach außen tretenden Stützenrasters zu einem harmonischen Fassadenbild rhythmisiert. Die beiden Stirnseiten bestehen größtenteils aus massiven Fassadenflächen mit einem verglasten Mittelstreifen, in dem sich die Mittelzone mit den beiden Flurspangen abzeichnet.
 
Mit den markanten Zwillingshochhäusern ist den Architekten eine prägnante städtebauliche Setzung in der Stuttgarter Innenstadt als historischer Standort der Hochschule gelungen. Sie prägen bis heute nicht nur das Stadtbild, sondern auch Generationen an zukünftigen Architekten.
 

LS