Wilhelm - Kempf - Haus, Wiesbaden

Architekt

Kammerer + Belz, Kucher und Partner

Baujahr

1980 - 1984

Bauherr

Bistum Limburg

Bauweise

Backstein - Sichtmauerwerk

Außenansicht

Wilhelm-Kempf-Haus

Vom Wiesbadener Tal aus ist nur eine bewaldete Kuppe zu sehen, doch wenn man sich über eine kleine Straße dem Wilhelm-Kempf-Haus nähert, tritt es zwischen einem lichten Baumbestand hervor. Der sehr unscheinbare Vorplatz wird durch den unübersehbaren Eingang akzentuiert. Er fällt durch seine gläserne Gestalt auf. Er ist an den Seiten durch zwei geschlossene Backsteinwände gefasst, die zu den Seiten abfallen.
 
Als Grundidee für das Wilhelm-Kempf-Haus nennen die Architekten immer wieder die Analogie „Stadt im Haus“. Dabei ist der Grundriss entsprechend durch eine Abfolge von Straßen, Wegen und Plätzen gefügt. Das Bild einer Stadt soll dem Besucher unterschwellig durch städtebauliche Elemente vermittelt werden, die aus dem Alltag bekannt sind. Vom Eingang wird man direkt in das Hauptelement geleitet, welches die „Innere Straße“ ist, an der sich die Nutzungen addierend orientieren. Gleich wie bei einer historischen Stadt erhalten die unterschiedlichen Bestandteile jeweils ein anderes Charakteristikum, wie klein-groß, geschlossen-offen oder prächtig-karg. Dabei werden zum Berg hin die offenen Räumlichkeiten des Hauses wie ein Speiseraum, die Rezeption oder ein Café angeordnet. Während sich zum Tal hin, hinter einer 100m langen Wandscheibe, ruhigere Räume ansiedeln wie die Bibliothek, Kirche, Meditationsraum und die Wohnungen. Diese Wandschebe ragt deutlich über die gläserne Straße hin aus. Um die Straße zur Bergseite hin auch räumlich zu fassen, wurden entlang ihres Verlaufs schlanke Säulen gesetzt. Während die eine Seite nur wenige Öffnungen aufzeigt und durch das schwere Material des Backsteins sehr massiv wirkt, ist die andere Seite durch viele Durchbrüche, meist transparente Flächen und einen hellen Putz sehr leicht und einladend. Entlang der Straße sind offene Treppen angeordnet und eine Brücke, die beide Seiten miteinander verbindet.
 
Im Grundriss klar hervorstehend sind zum einen die Kapelle und die Aula, die sich im Gegensatz zu den linearen Raumketten räumlich aufweiten und durch eine gesonderte Dachform den Raum belichten. Der Namensgeber für das Haus, Wilhelm-Kempf Bischof von Limburg, beschrieb das Gebäude einst als „Stätte geistiger Auseinandersetzung“.
 

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